Schümm unter französischer Verwaltung

Mit der Eroberung der Gebiete zwischen Maas und Rhein sowie Rhein und Mosel wurde auch der Ort Schümm Teil des französischen Staatsgebietes. Damit begann auch für dieses Gebiet die gesetzliche Registrierung der Bevölkerung und die Erfassung von Geburten, Sterbefällen und Heiraten nach einheitlichen Richtlinien. Bis dahin tauchen normale Bürger mit ihren Namen und Daten lediglich in den von den Kirchen geführten Büchern auf. Die Führung solcher Kirchenbücher wurde jedoch von Ort zu Ort und von Pfarrer zu Pfarrer sehr uneinheitlich und unzuverlässig gehandhabt. Vielfach wurden auch Dinge, z.B. uneheliche Geburten, „beschönigt“. Für den Ort Schümm war der Pfarrort für die katholische Kirche bis ins 19. Jahrhundert hinein Gangelt. Die Grenze bildete zur Kirchengemeinde Breberen der Saeffelbach. Dort finden sich in den Kirchenbüchern entsprechende Einträge. Eine protestantische Gemeinde (die auch Schümm umfasste) hatte ihren Kirchenort in Geilenkirchen-Hünshoven. Auch aus dieser Gemeinde gibt es aus dem 16. Jahrhundert erhaltene Kirchenbücher, die jedoch nie den Wohnort der Personen nennen. U.a. Religiöse Unruhen und das Wirken der sog. „Wiedertäufer“ im Herzogtum Jülich (speziell auch in Breberen und Saeffelen) führten dazu, dass man die Verlässlichkeit der kirchlichen Bücher noch weiter einschränken muß: Gelegentliche Hinweise in diesen Büchern belegen, dass die Menschen sich häufig anderen Kirchengemeinden zugehörig fühlten. So gibt es in den Gangelter Kirchenbüchern immer wieder Hinweise auf Zugehörigkeiten z.B. zu Susteren, Birgden oder Heinsberg.

Die Bevölkerungslisten aus der französischen Zeit stellen eine Momentaufnahme des in seiner Bevölkerung erfassten Ortes dar. Dennoch muss man ihre Aussagen kritisch überprüfen. Gerade bei den frühen französischen Listen stellt man häufig fest, dass Altersangaben nur sehr ungenau gemacht wurden und es hat auch oft den Anschein, dass die Bevölkerung nicht hundertprozentig erfasst wurde. Fehler oder Lücken sind also zu erwarten und kritisch zu hinterfragen. Für das Lesen der Listen ist es sehr hilfreich, sich mit den wichtigsten französischen Begriffen vorher vertraut zu machen. Jahresangaben beziehen sich immer auf die neue französische Zeitrechnung, beginnend mit dem Jahr I (1792). Verfasst wurden die Listen (siehe auch unten) von einer Art „Bürgermeister“. Für Schümm war das ein Herr Thönnessen, der sich in den Listen auch jeweils an erster Stelle findet. Erfasst wurden die Bewohner des gesamten Hauses, einschließlich der Angestellten, Knechte und Mägde.

Die Originallisten werden heute aufbewahrt im Personenstandsarchiv im Schloß Brühl und sind dort in digitalisierter Form einsehbar und kopierbar. Dort lagern auch die entsprechenden Urkunden zu Geburten, Sterbefällen und Hochzeiten. Diese sind eine wahre Fundgrube, um verwandtschaftlichen Beziehungen nachzuspüren, da immer auch Zeugen und Verwandtschaften angegeben sind.

© für Text und Bilder by Norbert Rulands